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Ayurveda-Therapien für das psycho-mentale Gleichgewicht

Artikel von Kerstin Rosenberg, Fachbereichsleiterin für Ayurveda-Psychologie und -Ernährung an der Europäischen Akademie für Ayurveda
6. Mai 2026 durch
Administrator
Unser modernes Leben ist von vielen Belastungsfaktoren geprägt, die nicht nur die körperliche Gesundheit beeinträchtigen, sondern auch zu mentalen und psychischen Erkrankungen führen können. Immer mehr Menschen leiden unter stressbedingten und psychosomatischen Beschwerden, die eine psychotherapeutische Behandlung erfordern.

Ein großes Spezialgebiet der ayurvedischen Medizin ist die ganzheitliche Behandlung von psychisch belastenden Beschwerdebildern wie Depressionen, Burnout oder Schlafstörungen. Der ayurvedische Therapieansatz für alle psychischen, psychiatrischen und stressbedingten Erkrankungen basiert auf 3 Säulen:

  • Körperliche Maßnahmen zur Reinigung (Panchakarma) und Energiestärkung (Rasayana)
    Psychologische Begleitung durch ayurvedische Gesprächstherapie (Sattvavayaja)
    Heilkräuter (Medhya), Meditation und Gebet als unterstützende Maßnahmen des individuellen Heilprozesses
Die Rolle der Ernährung für das psycho-mentale Gleichgewicht ist nicht zu unterschätzen. Mit dem, was wir essen und wie wir es zubereiten, nehmen wir unmittelbaren Einfluss auf die Qualität der Gedanken, Gefühle und Belastungsfähigkeit des Geistes. Im Sinne des Ayurveda ist eine gesunde und auf die mentalen Bedürfnisse abgestimmte Ernährungsweise die beste Prävention gegen psychische und stressbedingte Erkrankungen.

Sattvavajaya ist die ayurvedische Psychologie, die zusammen mit den rationalen Heilmethoden und spirituellen Therapien das Fundament der gesamten Ayurveda-Medizin bildet.
Um psychische Beschwerden im ayurvedischen Kontext zu verstehen und zu behandeln, ist es notwendig, die Grundlagen des Sattvavayaja zu kennen. Diese beschreiben detailliert die Natur, Funktionen und Störfaktoren des Geistes (Manas) sowie die seelischen Qualitäten (Atman, Buddhi) des Menschen, die wir hier nur einführend erläutern wollen, um Zugang zu den praktischen Therapiestrategien für das psycho-mentale Gleichgewicht zu ermöglichen.

Pathogene Faktoren des Körpers sind Vata, Pitta und Kapha, während Rajas und Tamas die Faktoren des Geistes sind.
Caraka Samhita, S ̈.I.57

Grundlagen der Ayurveda-Psychologie und Psycho-Diätetik

So wie unser Körper von den drei Doshas regiert wird, bestimmen auch drei geistige Kräfte über mentale Gesundheit oder Krankheit. Die sogenannten Gunas werden auch als Doshas des Geistes bezeichnet und bestimmen mit ihren Ausprägungen die emotionalen und intellektuellen Qualitäten, Interessen, Schwächen und Stärken unserer Psyche. So basiert unsere gesamte mentale Konstitution (Manas-Prakriti) und deren Störungen (Manas-Vikriti) auf den drei Attributen des Geistes Tamas, Rajas und Sattva.

Sattva

Sattva ist das lebenserhaltende Prinzip des Geistes und verkörpert den balancierten Ideal-Zustand der geistigen und seelischen Kräfte. Zeichnet sich eine Person durch einen hohen Sattva-Anteil in ihrer Persönlichkeit aus, so verfügt sie über ein freundliches und friedfertiges Wesen mit hohem moralischem Wertebewusstsein und geistiger Stärke.

Rajas

Rajas steht für das Prinzip der Aktivität des Geistes. Der starke Wunsch nach Bewegung auf körperlicher und mentaler Ebene, emotionale Erregung in Form von Aggression und Leidenschaft sowie eine hohe Intelligenz sind typische Merkmale für rajasisch geprägte Persönlichkeiten.

Tamas

Tamas stabilisiert die Psyche und bewirkt eine Nicht-Aktivität des Geistes. So werden geistige Prozesse durch zu viel Tamas verlangsamt, was zu Ignoranz, mentaler und psychomotorischer Trägheit sowie einer Neigung zu depressiven Tendenzen führt.

Eine Störung des Geistes beruht aus ayurvedischer Sicht immer auf einem Ungleichgewicht der drei Gunas. Dabei werden Rajas und Tamas als negative Attribute betrachtet, die den Geist destabilisieren und schwächen. Sattva hingegen hat die Fähigkeit, die Störfaktoren, die durch ein Übermaß an Rajas oder Tamas entstehen, auszugleichen und damit die Psyche zu stabilisieren und zu stärken. In diesem Sinne basiert die gesamte Ayurveda-Medizin und -Psychologie für die psycho-mentale Gesundheit auf Sattva-fördernden Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem spezielle Ernährungsregeln (sattva ahara), Verhaltensempfehlungen (brahmacharya) und Kräuterrezepturen (medhya), die die sattvischen Qualitäten des Geistes stärken.

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